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ich war müde mir war kalt


vielleicht lag es ja daran, daß die MERCEDES-BENZ FASHION WEEK BERLIN erst am mittwoch begann, weshalb am dienstag beim konzert von BACCHUS und THROWERS im KOMA F die neuesten modetrends noch nicht durchgesickert waren und ich es als entsprechend befremdlich empfand, daß überdurchschnittlich viele der anwesenden schneidigen jungen männer selbstbewußt und vielleicht sogar mit einer, nur ihnen selbst einleuchtenden, überheblich ironischen zotigkeit der arschlochmode schnauzbart frönten! wenn irgendwelche verpeilten, sich hipsteresk gebärdenden indierockarschgeigen das nach wie vor modisch cool finden und vor freude nahezu vergehen, wenn ihnen latte macchiato schaum im schnurres hängt, ist das zwar auch weiterhin eine schlimme ästhetische beleidigung meines überaus guten geschmacks und jederzeit eine backpfeife wert, allgemein aber geschenkt. wenn jedoch hardcorepunk hörende jungs unter 30 so in der öffentlichkeit und in szenezusammenhängen auftreten, dann packt mich pure verzweiflung, pures unverständnis und purer haß! als dann eines dieser widerwärtigen exemplare THROWERS (deren bassist übrigens ebenfalls nicht ohne oberlippenbehaarung auskam) vor ihrem ersten song mit dem unsäglich dummen zwischenruf „rock´n´roll!!!“ anheizen wollte, war meine stimmung endgültig im keller und ich mußte erneut feststellen, daß SPEZI nicht CARLSBERG und CLUB MATE nicht trinkbar ist. glücklicherweise ließen BACCHUS mich dann mit sympathischem assifaktor und feschem crustbraten all meine sorgen kurzzeitig vergessen.
eine andere schreckliche erfahrung in sachen mode mußte ich bereits in der vergangenen woche machen, als ich ein exemplar des nationalen widerstands aufgrund seiner chicen kleidung und seines FRONTLINE-model gesamtbilds zunächst nicht erkannte – die hellgrauen chino- oder karottenhosen in seine ekeleregenden, knöchelhohen braunen herrenschuhe gewrangt, schwarzes blouson und riesige weiße kopfhörer auf seinem frisurenkopf. erst aus unmittelbarer nähe erspähte ich den „good night left side“ aufnäher, welcher den modefreak dann als nationalsozialistische arschgeburt auswies. für unsere unterhaltung hatte er kaum zeit, da er seinen zug nach ueckermünde, der bereits wartete, nicht verpassen wollte.
aber gut, wer von euch interessiert sich schon für mode? edle musik und erstklassige veranstaltungen sind ja eher euer ding. das AJZ hält am freitag mal wieder beides für euch bereit, denn dann spielen BITE THE BULLET und VERWAHLOST.

B.T.B. kommen aus berlin, der stadt, in der alle so locker sind, daß sich die nachbarn nicht wegen der lautstärke, sondern wegen des musikgeschmacks beim verursacher beschweren. so etwas kommt bei den burschen von B.T.B. aber nur selten vor, denn die haben bestimmt einen sehr guten musikgeschmack. zumindest läßt das DIE ALLIIERTEN shirt des schlagzeugers darauf schließen. B.T.B. sind eigentlich ne angepunkte skinheadband alter männer, die englischsprachigen oldschoolpunkrock macht, weil ihr sänger aus england kommt. das sind noch ehrliche gründe für ehrlichen punkrock! allerdings paßt ihre coverversion von DIETER HALLERVORDENS „PUNKER MARIA“ sehr gut ins gesamtprogramm und stößt bei euch sicherlich auf viel gegenliebe. die gehen ab und ihr geht ab, ey.

V. sind meiner meinung nach die härteste und kompromißloseste neubrandenburger punkband seit HAFTBEFEHL und mit ihrem melodieträchtigen schweinekobenpunk irgendwie eine art agrarantwort auf die TOY DOLLS. oder auf DISCHARGE. in jedem fall sind die bandmitglieder in ihren schnapsphantasien tollkühne düngerstreuerpiloten und professionelle rapsfelderinszenesetzer, was gründe sein könnten, daß SUMPIS ansagen länger als die eigentlichen songs und fast so lustig wie die witze von INGO APPELT sein werden. versprochen. aber dafür hat PANZA mehr arsch inner hose als J-LO. hingucker! klingt nach verriß? quatsch mit soße! mir sind V. lieber als dieser lahme musikschulhardcore von popperaffen. und wenn ich was weiß, dann das: morgen fliegen die fetzen!

ps: ja, ja AIMAN, dir steht der pornobalken, DIR steht er – aber du läßt ihn ja nicht aus modegründen stehen.



20.01.2012 um 01:01